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Ein Engel erzählt die Geschichte des Johann Friedrich Koepjohann

Wenn wir vor einem alten Grabmal stehen, sind wir meist ergriffen, manchmal auch erschüttert oder gar betreten, wenn wir mit den manchmal krassen Darstellungen von Tod und Trauer konfrontiert werden. Hier begegnet uns etwas völlig anderes. Dieser Engel trauert nicht, er lächelt! Geradezu verschmitzt schaut er uns an, der Körper ist scheinbar so in Bewegung, als wolle er gleich abheben.


Die Frau, für die das Grabmal errichtet wurde, verstarb mit 52 Jahren, kinderlos, „am hitzigen Fieber“, wie es im Sterberegister zu lesen ist. Ihr Mann ließ auf der großen Inschrifttafel vermerken, sie sei ihm „eine geliebte Ehegattin“ gewesen und habe „in Wohltätigkeit, Fleiß und Gottesfurcht“ gelebt. Als er sie kennen lernte, war er ein junger, wohlhabender Schiffbauer aus Berlin, besaß das Berliner Bürgerrecht und seine eigene Schiffbauerei. Sie hingegen war Gastwirtstochter in Französisch Buchholz.


Der Engel auf dem Grabmal sieht so aus, als könnte er uns viel dazu erzählen. Der reiche Schiffbauer heiratet das arme Wirtstöchterlein, eine romantische Geschichte mit Happy-End. Am Fuße des Engels ist außer den Attributen des Schiffbauhandwerks auch ein Füllhorn zu erkennen, Symbol für Reichtum und Wohlergehen. Die beiden Eheleute waren nicht arm, sie hatten den Betrieb, ein großes Haus und Ländereien in Berlin, dazu viel Personal, einen großen Bekanntenkreis – nur keine Kinder.


Nachdem der alte Schiffbauer 16 lange Jahre als Witwer gelebt hatte, verstarb auch er, das Sterberegister weiß zu berichten, „am Schlagfluß“. Sein Tod kam wohl nicht ganz überraschend; er fand noch Zeit, ein Testament zu errichten, in dem er die Stiftung gründete, die bis heute in Berlin-Mitte wirkt.


Das Geheimnis des lächelnden Engels steht auf dem Buch, das er in den Händen hält: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“. Und weiter heißt es an dieser Bibelstelle: „sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach“.
So erinnert uns der fröhliche Engel an die fröhlichen und freigebigen Johann Friedrich und Maria Elisabeth Koepjohann.