Stiftung | Chronik 
  Chronik

um 1700
Das Areal des heutigen Stiftungsbesitzes ist nur locker bebaut. Es liegt vor den Stadtmauern und wird zum Teil landwirtschaftlich genutzt. Am Eingang der heutigen Albrechtstraße steht eine Windmühle. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts siedeln sich einzelne Manufakturbetriebe zur Stoff-, Leder- und Tabakverarbeitung, vor allem aber mehrere Schiffbaubetriebe an, die dem Schiffbauerdamm den Namen geben.
 
1712/13
Die Sophienkirche, zunächst Spandauische Kirche genannt, wird als Pfarrkirche der Spandauer Vorstadt gebaut. Stifterin ist Königin Sophie Luise (1685-1735), dritte Ehefrau von König Friedrich I. (1657-1713). Die Gemeinde umfasst auch weite Teile des nördlichen Randbereichs der Stadt, nach heutiger Zuordnung den nordwestlichen Teil des Bezirks Mitte, Teile von Wedding, Prenzlauer Berg und Tiergarten (östliches Moabit). Zur Gemeinde zählen circa 500 Häuser, in denen zum Teil mehr als eine Familie wohnt.
 
Dezember 1717
Johann Friedrich Koepjohann wird in Berlin geboren als Sohn des Schiffbauers Martin Koepjohann (1679-1734) und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Erdmann (ca. 1677-1737). Am 17. Dezember wird er in der Dorotheenstädtischen Kirche getauft. 
 
30. April 1734
Martin Koepjohann stirbt. Seine Witwe führt die Schiffbauerei weiter.
 
1737
Friedrich Köpjohann erwirbt das Berliner Bürgerrecht und übernimmt von seiner Mutter das Erbhaus und die Schiffbauerei. Seine Mutter Elisabeth, geb. Erdmann, stirbt am 3. März 1737.
 
November 1740
Friedrich Koepohann heiratet Maria Elisabeth, geb. Stahlberg (1722-1776). Seine Frau ist die Tochter des Dorfwirts Joachim Stahlberg in (Französisch) Buchholz, wo auch die Trauung stattfindet. Die Familie stammt ursprünglich aus Bötzow (bei Velten, heute Ortsteil der Gemeinde Oberkrämer).
 
1757
Friedrich Koepjohann vergrößert seinen Grundbesitz. Er kauft ein Haus mit Grundstück am Schiffbauerdamm, das den heutigen Stiftungsbesitz bildet.
 
1756 bis 1763
Siebenjähriger Krieg.
 
1757 [?]
Koepjohann stiftet der Taufkirche seiner Frau in Bötzow, bei Oranienburg nordöstlich von Berlin gelegen, eine neue Turmspitze und einen Altar.
 
1774
Die Häuser am Schiffbauerdamm, bislang zur Dorotheengemeinde gehörend, werden in die Sophiengemeinde eingegliedert.
 
26. Juni 1776
Koepjohanns Ehefrau Marie Elisabeth geb. Stahlberg stirbt. Koepjohann lässt seiner Frau auf dem Kirchhof der Sophienkirche, neben der Sophienkirche ein kostbares Grabmal errichten. Die Skulptur aus Sandstein stammt von dem Bildhauer Wilhelm Christian Meyer d. Ä. (1726-1786) und zählt zu den bedeutenden Zeugnissen der Berliner Kunst- und Kulturgeschichte.
 
1789/1790
Koepjohann stiftet der Sophienkirche die erste Orgel und übernimmt die Kosten für die Errichtung der Orgelempore.
 
6. Juni 1792
Koepjohann stirbt, verwitwet und ohne Kinder, in Berlin. Er wird auf dem Kirchhof der Sophiengemeinde bei seiner Frau beigesetzt. In seinem Testament von 3. Juni 1792 stiftet Koepjohann den Hauptteil seines Besitzes zur Unterstützung von bedürftigen Witwen und Waisen aus seiner Verwandtschaft und der Verwandtschaft seiner Ehefrau sowie von bedürftigen Witwen und Waisen lutherischer Konfession von Bürgern aus der "Spandauer Vorstadt". In die Stiftung werden sein Wohnhaus am Schiffbauerdamm nebst dem dazu gehörigen Garten und Feld und 5000 Reichstaler Kapital eingebracht.
 
20. März 1793
Nach den testamentarischen Verfügungen Koepjohanns wird das Reglement der Stiftung errichtet. Die Administration der Stiftung wird gegen eine Aufwandsentschädigung den beiden Predigern der Sophienkirche übertragen, die hierzu zwei bemittelte Gemeindemitglieder hinzuziehen haben. Die Stiftung soll ihre Erträge aus den Zinsen des Kapitals und durch Verpachtung des Grundbesitzes erwirtschaften. Die Erträge der Stiftung fließen zu zwei Dritteln den armen Witwen und Waisen aus der Verwandtschaft des Stifters, unabhängig von Stand, Konfession und Wohnort zu. Das verbleibende Drittel soll armen Witwen und Waisen aus dem Bürgerstand der Spandauer Vorstadt zugute kommen. Diese müssen lutherischer Konfession und Mitglieder der Sophiengemeinde sein. Die Unterstützungsgelder sollen vierteljährlich jeweils am ersten Montag im Januar, April, Juli und Oktober ausgezahlt werden. Falls die Erträge ausreichen, sollen im November zusätzlich ein Holzgeld und in besonderen Notfällen außerordentliche Unterstützungen gezahlt werden.
 
1799
Die Sophiengemeinde kauft ein Grundstück an der Gartenstraße vor dem Hamburger Tor und legt dort einen neuen Friedhof (Sophien I) an. (Das Grundstück wird 1875 an die Stadt Berlin verkauft zur Anlage einer Grünanlage und eines Kinderspielplatzes. Heute befindet sich hier, hinter dem Stadtbad Mitte, der Heinrich-Zille-Park).
 
1813 bis 1815
Befreiungskriege gegen die napoleonische Besatzung. Bei den Kämpfen lassen auch 56 Männer aus der Sophiengemeinde ihr Leben.
 
1817
Union der beiden evangelischen Bekenntnisse in Preußen. Die Lutheraner und Reformierten verbinden sich in der Evangelischen Kirche in Preußen (später: Evangelische Kirche der altpreußischen Union).
 
1820
Die Sophiengemeinde hat einschließlich der Vorstadtgebiete außerhalb der Ringmauern mehr als 23.000 Gemeindemitglieder, darunter eine wachsende Anzahl Arbeiter und proletarisierter Unterschichten.
 
1824
Die Sophiengemeinde legt in der Bergstraße einen weiteren Friedhof (Sophien II) an. Er ist als "Musiker-Friedhof" bekannt geworden, da hier u.a. der Bach-Enkel und Pianist Wilhelm Friedrich Ernst Bach, Albert Lortzing, Carl Bechstein und Walter Kollo begraben sind.
 
1825 bis 1827
Für das Gebiet westlich der Friedrichstraße beginnen städtebauliche Planungen. Das bisher weitgehend ungestaltete Gelände soll von mehreren Straßen durchzogen und somit für den Häuserbau nutzbar gemacht werden. In diesem Zusammenhang beginnen undurchsichtige Verhandlungen, in deren Folge die Koepjohann'sche Stiftung den größten Teil ihres Grundbesitzes, den sie in Erbpacht vergeben hat, verliert. Sie tritt gegen eine Summe von 2.800 Talern 10 ¾ Morgen Land an Professor Klentze und gegen 5.000 Taler mehr als 23 Morgen Land an den Kaufmann Hotho ab (der es später für 35.000 Taler weiterverkauft). In ihrem Besitz verbleiben nur etwas mehr als 3 Morgen. Die erhaltenen Dokumente erlauben keine genaue Rekonstruktion der Vorgänge.
 
1828

Das Gebiet westlich der Friedrichstraße, in dem der Stiftungsbesitz liegt, wird als eigenständiges Viertel unter dem Namen Friedrich-Wilhelmstadt von der Spandauer Vorstadt abgetrennt. Es bleibt seelsorgerisch Teil der Sophiengemeinde.

Die Koepjohann'sche Stiftung vermietet Teile des Grundstücks und des Wohnhauses an einen Generalpächter. Dieser kann die gepachteten Immobilien auf eigenes Risiko weitervermieten.

 
1829
Die Stiftung muss einen Teil des Grundbesitzes zur Anlegung der Albrechtstraße an den preußischen Fiskus abtreten.
 
1832
Die Sophiengemeinde hat mehr als 50.000 Gemeindemitglieder. Durch königliche Ordre wird die Gemeinde geteilt. Vier neue Gemeinden werden gebildet und neue Kirchen gebaut - die St. Johanniskirche in Moabit, die Nazarethkirche auf dem Wedding, die St. Elisabethkirche in der Invalidenstraße und die St. Paulskirche am Gesundbrunnen. Die Sophiengemeinde beschränkt sich jetzt auf das Gebiet der Spandauer Vorstadt und der Friedrich-Wilhelm-Stadt.
 
1843
Die Aufsicht über die Stiftung geht vom Polizeipräsidium auf das Konsistorium der Provinz Brandenburg über.
 
1847
Die Stiftungsadministration legt einen Baufonds an. Bis 1853 werden darin rund 1.750 Reichstaler zurückgelegt.
 
1848
Revolution in Deutschland gegen die halbfeudale, autoritäre Ordnung, zur Durchsetzung liberaler und demokratischer Rechte. Berlin ist eines der Zentren der März-Revolution. Auch in Nachbarschaft der Stiftungsgrundstücke finden Kämpfe statt. So wird u.a. in der Albrechtstraße in Höhe der Marienstraße eine Barrikade errichtet.
 
1850
Eine Aufstellung des Stiftungseinkommens weist für die Jahre 1820 bis 1849 einen durchschnittlichen Ertrag von rund 2.075 Reichstalern jährlich aus. Dabei sind die Einnahmen von rund 1.711 Reichstalern im Jahr 1820 über 1.993 Reichstaler von 1825 bis 1834 auf 2.328 Reichstaler 1848 und 1849 gestiegen.
 
1853
Der alte, die Kirche umgebende Friedhof der Sophiengemeinde wird geschlossen. Vereinzelt finden auch noch später Beerdigungen auf dem Friedhof statt. So werden hier noch die Prediger Schultz, Ideler, Seyring, Strauß und Burckhardt beigesetzt.
 
1856

Die Sophiengemeinde ist wieder auf über 50.000 Mitglieder angewachsen ist. Sie wird daher ein zweites Mal geteilt.

In der Friedrich-Wilhelm-Stadt wird die Philippus-Apostel-Gemeinde mit einem Gotteshaus in der Philippstraße (im 2. Weltkrieg zerstört und später abgetragen) gegründet.

 

 

In der westlichen Spandauer Vorstadt entsteht die Johannes-Evangelist-Gemeinde mit ihrem Gotteshaus in der Auguststraße. Auch diese Gemeinden zählen zum Stiftungsgebiet.

 
1859 bis 1861
Die Grundstücke der Stiftung in der Albrechtstr. 12 und 12a (heute 15 und 16) werden nach Plänen des Baumeisters Adolf Lohse (1807-1867), Schüler von Karl Friedrich Schinkel, mit zwei Mietshäusern bebaut.
 
1861
Das Stiftungsgrundstück wird in fünf Parzellen unterteilt, um diese unabhängig voneinander mit Hypotheken belasten zu können.
 
1863

Die Sophiengemeinde kauft ein Grundstück im Stadtteil Wedding, um einen weiteren Friedhof (Sophien III) anzulegen.

 
1871
Reichsgründung. Nach dem Sieg der vereinigten deutschen Heere über die französische Armee im deutsch-französischen Krieg werden in Versailles das deutsche Kaiserreich proklamiert und der preußische König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser gekrönt. Berlin wird Reichshauptstadt.
 
1874 bis 1876
Das Gesetz über die Zivilehe wird verabschiedet. Die Zahl der kirchlichen Amtshandlungen geht in der Folge deutlich zurück. Dennoch erreicht die Zahl der Gemeindemitglieder im Stiftungsgebiet 1875 mit rund 53.000 Personen (bei rund 88.000 Einwohnern insgesamt) ihren historisch höchsten Stand.
 
1876
Für den Bau der Stadtbahn muss die Stiftung den hinteren Teil des Grundstücks Albrechtstr. 8-9 (heute: 9-10) abtreten. Die Entschädigungssumme wird auf 300.000 M festgelegt.
 
1883
Das alte Koepjohann'sche Wohnhaus am Schiffbauerdamm wird abgerissen.
 
1884/1885
Auf dem Grundstück Albrechtstr. 11 (heute: Nr. 14) wird ein Wohnhaus errichtet.
 
1890/1891
Umbau der Sophienkirche. Der Umbau wird nach ersten Entwürfen von Baurat Friedrich Schulze und dem Architekturbüro Kyllmann & Heyden durch den Architekten Kurt Berndt im neobarocken Stil durchgeführt.
 
1898
Erster Nachtrag zum Reglement der Stiftung. Zur Finanzierung von Baumaßnahmen wird die vorübergehende hypothekarische Belastung der Grundstücke ermöglicht und ein Reservefonds von einem Zehntel der Reineinnahmen gebildet. Ebenso werden die Aufwandsentschädigungen für die geistlichen Administratoren und die Unterstützungszahlungen erhöht.
 
1904/1905
Als letztes der Stiftungsgrundstücke wird das Areal Albrechtstr. 13/Schiffbauerdamm 8 nach einem Entwurf und unter der Bauleitung der Architekten Kurt Berndt (1863-1925) und Paul Zimmerreimer (1875-1943) bebaut. Zugleich wird der Vorhof der Häuser Albrechtstr. 13 und 14 als Gartenhof angelegt und gestaltet. Der Hof ist heute als Gartendenkmal ausgewiesen.
 
1910
Zweiter Nachtrag zum Reglement der Stiftung. Die Aufwandentschädigung für die geistlichen Administratoren wird angehoben.
 
1912
Die Sophiengemeinde begeht ihr 200-jähriges Bestehen. In der Festschrift wird neben den acht wohltätigen Stiftungen, die vom Gemeindekirchenrat verwaltet werden, auch die Koepjohann'sche Stiftung gewürdigt. Die aktuelle Bilanz weist aus: 109 Witwen aus der Verwandtschaft des Stifters und ihre minderjährigen Kinder werden mit insgesamt 26.500 Mark im Jahr laufend unterstützt. Außerdem beziehen 255 Witwen aus der Sophiengemeinde, 26 Witwen aus der Philippus-Apostelgemeinde und 11 Witwen aus der Johannes-Evangelist-Gemeinde rund 23.360 Mark an Unterstützungsgeldern.
 
1914 bis 1918
Erster Weltkrieg. Mit der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage nach Beginn des Ersten Weltkriegs setzt die Stiftung viele der Mieten herab, um noch größere Verluste durch Leerstand zu vermeiden. Sie gewährt auch aus sozialen Gründen Mietnachlässe, wenn Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden und die Familien damit weniger Einkommen haben.
 
1918/1919
November-Revolution in Berlin, Sturz der Monarchie und Gründung der Weimarer Republik.
 
1923
Mit dem Grundbesitz als wichtigstes Stiftungskapital übersteht die Koepjohann'sche Stiftung die große Inflation relativ unbeschadet. Allerdings können, wie schon in den Kriegsjahren, keine Investitionen zum Erhalt der Häuser getätigt werden.
 
1926
Nach mehrjähriger Unterbrechung in Folge des Krieges und der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung nach dem Krieg werden die Unterstützungszahlungen an die Koepjohannitinnen zu Weihnachten wiederaufgenommen. Die Zahlungen belaufen sich vorerst auf 50 Prozent der alten Beträge, steigen dann aber kontinuierlich an.
 
1933
Machtübernahme der Nationalsozialisten und Errichtung der Diktatur.
 
1933 bis 1936
Das Kuratorium gewährt vielen Mietern, die wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, Mietnachlässe, auch um Leerstand und gänzliche Mietausfälle zu vermeiden. Auch jüdischen Mietern, die unter der beginnenden Verfolgung und wirtschaftlichen Ausgrenzung durch das NS-Regime zu leiden haben, werden die Mieten nachgelassen.
 
1938
Die Stiftung weist die Aufforderung staatlicher Stellen zurück, die aus Eisen gefertigten Gartenzäune durch Hecken zu ersetzen und das Eisen abzugeben. Hintergrund ist der große Bedarf der NS-Rüstungswirtschaft an (Alt-)Metallen. Die Stiftung will mit dem Abbau der Zäune warten, bis dies gesetzlich vorgeschrieben ist.
 
1939 bis 1945
Zweiter Weltkrieg.
 
1943/1944
Bei mehreren Luftangriffen werden die Mietshäuser und die Baulichkeiten auf dem Grundstück Albrechtstr. 9/10 teilweise schwer beschädigt.
 
1945
Ende des Zweiten Weltkriegs. Befreiung vom Nationalsozialismus. Deutschland und Berlin werden in vier Besatzungszonen geteilt. Das Stiftungsgebiet liegt in der sowjetischen Besatzungszone. Die Koepjohann'sche Stiftung verliert bei den Kampfhandlungen zum Ende des Krieges ihre beiden geistlichen Administratoren. Ende des Jahres sterben einer der Laienadministratoren und der langjährige Hausverwalter. Die Stiftung wird nur kommissarisch verwaltet. Die Unterstützungszahlungen an die Koepjohannitinnen müssen wegen der unzureichenden Finanzlage ausgesetzt werden.
 
1946
Große Probleme bereitet wegen des Materialmangels und der schlechten Qualität des lieferbaren Baumaterials die Beseitigung der Kriegsschäden an den Häusern.
 
1948
Währungsreformen in den Westzonen und der SBZ. Die Stadt ist in zwei Währungsgebiete geteilt. Blockade der West-Sektoren Berlins durch die Sowjetunion. West-Berlin wird bis Mai 1949 durch die Luftbrücke versorgt. Spaltung der Stadtverwaltung und städtischen Institutionen. Im Dezember findet die erste Adventsfeier für die Koepjohannitinnen seit dem Ende des NS-Regimes statt. Eingeladen sind nur Witwen aus der Nachkommenschaft des Stifters. Von nun wird die traditionelle Adventsfeier wieder jährlich durchgeführt.
 
1949
Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Ost- Berlin wird Hauptstadt der DDR.
 
1950
Die drei Gemeinden im Stiftungsgebiet zählen 22.155 Mitglieder (gegenüber rund 32.600 im Jahr 1939).
 
1951
Zu der Adventsfeier sind zum ersten Mal seit 1945 auch Witwen aus den drei Gemeinden Sophien, Philippus Apostel und Johannes Evangelist geladen.
 
1952
Das Kuratorium beschließt einen dritten Nachtrag zu den Bestimmungen über die Verwaltung der Koepjohann'schen Stiftung, mit dem u.a. festgelegt wird, dass die Auszahlung der Unterstützungen nur mehr jährlich erfolgen soll.
 
1953

17. Juni: Aufstand gegen die SED-Diktatur in der DDR. Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen.

 

um 1960

Auf dem Stiftungsgrundstück Albrechtstr. 9/10 wird die Ruine des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gartenpavillons des Wartenberg'schen Palais, des so genannten Geisterpavillons, abgerissen. Damit verschwinden auf dem Stiftungsbesitz die letzten baulichen Zeugnisse aus dem 18. Jahrhundert.

 
1961
13. August: Bau der Berliner Mauer. Für die DDR-Bürger wird der letzte Weg in den Westen versperrt.
 
1963/1964
Trotz vieler Investitionen in den Erhalt der Häuser sind noch immer nicht alle Kriegsschäden beseitigt. Der bauliche Zustand macht eine Grundinstandsetzung erforderlich. Da die staatlich festgelegten Mieten (die noch auf Vorkriegsniveau liegen) zu wenig Erträge abwerfen, muss die Stiftung zur Finanzierung Kredite aufnehmen.
 
1965 bis 1967
Wohnungen und Häuser werden gründlich instand gesetzt. Wegen Materialmangels und fehlerhafter Planunterlagen der staatlichen Stellen müssen die Arbeiten immer wieder unterbrochen werden. Im Haus Albrechtstr. 13 / Schiffbauerdamm 8 bleiben die Arbeiten am Dach und den Schornsteinen unerledigt.
 
1973
Erst jetzt werden die Schäden am Dach Albrechtstr. 13 / Schiffbauerdamm 8 beseitigt, da in den zurückliegenden Jahren die Stiftung trotz Dringlichkeit in den staatlichen Plänen nicht berücksichtigt wurde.
 
1974
In den Kellerdecken im Haus Albrechtstr. 14 zeigt sich Schwammbefall. Da zur Beseitigung der Schäden zuvor die Projektierung und Einplanung bei den staatlichen Stellen erforderlich ist, müssen die Decken provisorisch abgestützt werden.
 
1977
Endlich können die Instandsetzungsarbeiten an den Kellerdecken im Haus Albrechtstr. 14 begonnen werden. Da die Schäden größer als erwartet sind, ziehen sich die Arbeiten bis 1978 hin.
 
1978
Die St. Johannes-Evangelist-Gemeinde wird aufgelöst und unter den drei Nachbargemeinden aufgeteilt. Die Rechtsnachfolge und damit der Besitz der Kirche werden der Sophiengemeinde übertragen.
 
1981 bis 1989

Infolge des Alters der Häuser - die ältesten sind rund 120 alt - sind immer mehr Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Dabei bemüht sich die Stiftung, die Wohnungen nach und nach mit modernem Standard auszustatten. Die notwendigen Arbeiten verzögern sich auch, da die Stiftung in den staatlichen Plänen oft nicht berücksichtigt wird. Große Probleme und zusätzliche hohe Kosten bereiten zudem die schlechte Qualität der Baumaterialien und die oft schlechte Ausführung der Arbeiten. Ein großer Teil der Mieter trägt durch gezielte Eigenleistungen dazu bei, dass notwendige Instandsetzungen möglichst kostensparend realisiert werden können.

 
1984
Die Stiftungsgebäude Schiffbauerdamm 8/Albrechtstr. 13, 14, 15 und 16 werden als Baudenkmal in die Kreisdenkmalliste der DDR eingetragen.
 
1988

Die Hofflächen der Häuser Schiffbauerdamm 8/Albrechtstr. 13/14 werden denkmalgerecht rekonstruiert. Große Teile der Arbeiten werden von den Mietern unentgeltlich in Eigenleistung erbracht.

 
1989
Friedliche Massenproteste der DDR-Bürger führen zum Sturz der SED-Diktatur.
 
1990
Freie Wahlen in der DDR stellen die Weichen in Richtung Wiedervereinigung. Nach der Wirtschafts- und Währungsunion zum 1. Juli folgt mit dem Beitritt der DDR am 3. Oktober die staatliche Wiedervereinigung. Mit den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 2. Dezember 1990 verfügt die so lange geteilte Stadt wieder über eine einheitliche Stadtregierung und -verwaltung. Auch in der Evangelischen Kirche werden die getrennten Verwaltungen wieder zusammengeführt. Der Runde Tisch des Stadtbezirks Mitte stellt Teile des Bezirks, darunter auch die Spandauer Vorstadt, als Flächendenkmal unter Schutz. Die Stiftungsverwaltung bereitet den Übergang zu den neuen Währungs- und Wirtschaftsverhältnissen vor. Bis Mitte des Jahres werden die begonnenen Instandsetzungsarbeiten zu Ende gebracht und sämtliche Schulden der Stiftung getilgt. Nach der Wirtschafts- und Währungsunion zum 1. Juli 1990 gerät die Stiftung in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Den gleich bleibenden Mieteinnahmen der letzten DDR-Jahre stehen die aktuellen Marktpreise für Handwerks- und Dienstleistungen gegenüber. Um die Liquiditätsschwierigkeiten zu beseitigen, nimmt die Stiftung staatliche Fördermittel in Anspruch.
 
1991
Der Bundestag beschließt, den Sitz von Bundesregierung und Parlament von Bonn nach Berlin zu verlegen. Die Friedrich-Wilhelm-Stadt rückt damit in unmittelbare Nähe zum zukünftigen Regierungsviertel und wird eines der attraktiven Wohn- und Geschäftsviertel Berlins. Das Kuratorium beginnt mit der Ausarbeitung einer neuen Satzung, die den jetzt geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden muss. Zur Sanierung der Gebäude erteilt das Kuratorium einen Generalauftrag an ein Bauunternehmen. Der Auftrag umfasst den Wiederaufbau des Eckturmes Schiffbauerdamm 8 und die Modernisierung, Renovierung und Restaurierung sämtlicher Gebäude. Zum 1. Oktober hebt die Stiftung die Wohnungsmieten in ihren Häusern an, die bis dahin noch auf DDR-Niveau liegen. Damit entspannt sich die schwierige finanzielle Lage der Stiftung.
 
1992

Die Stiftung begeht mit einer Feierstunde in der Sophienkirche, einem stillen Gedenken am Grab des Stifters und einer anschließenden Dampferfahrt ihre 200-Jahr-Feier.

 
1993
Die Spandauer Vorstadt wird zum Sanierungsgebiet erklärt. Damit stehen erhebliche Fördermittel für die Sanierung der Häuser und dem Ausbau der Infrastruktur bereit. Die umfangreichen Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen werden fortgesetzt und als weitere Baumaßnahmen Ausbau bzw. Rekonstruktion der Dachgeschosse beschlossen. Im September genehmigt nach fast dreijährigen Verhandlungen die Senatsverwaltung für Justiz die neue Satzung in ihrer 10. überarbeiteten Fassung, die den geänderten rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen angepasst ist. Unter anderem werden die historischen Bezeichnungen "Administratoren", "Kuratorium" und "Kuratoren" durch "Vorsitzender des Vorstandes", "Vorstand" und "Mitglieder des Vorstands" ersetzt.
 
1994
Die Stiftung feiert mit einem Festakt ihr erstes Richtfest seit Ende des Zweiten Weltkriegs für den Ausbau der Dachgeschosse in den Häusern Albrechtstr. 15 und 16.
 
1995
Die Stiftung gerät in anhaltende Liquiditätsschwierigkeiten, da durch Fehlplanungen die Einnahmen geringer ausfallen als vorgesehen, die Kosten hingegen die Planansätze erheblich übersteigen. Der Vorstand sichert mit großem persönlichem und zeitlichem Einsatz die Weiterarbeit der Stiftung.
 
1996
Die Friedrich-Wilhelm-Stadt wird durch eine städtebauliche Erhaltungsverordnung geschützt. Die denkmalgerechte Renovierung der Fassaden und Treppenhäuser der Gebäude Albrechtstr. 15 und 16 und die gärtnerische Neugestaltung der Außenanlagen und Innenhöfe, für die der Senat von Berlin Fördermittel bereitgestellt hat, werden abgeschlossen.
 
1997
Um eine nachhaltige Sanierung der Stiftungsfinanzen zu erreichen, beschließt der Vorstand den Verkauf des Grundstücks Albrechtstr. 9-10 für 12,5 Millionen DM. Von den Bemühungen das Grundstück in Erbpacht zu vergeben, muss die Stiftung Abstand nehmen, da die Erbpachterlöse nicht ausreichen würden, die benötigten Finanzmittel zu erbringen.
 
1998
Im Oktober feiert die Stiftung das Richtfest für den Dachausbau und die Wiedererrichtung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Eckturms Schiffbauerdamm 8 / Albrechtstr. 13. Die Bauarbeiten an den Stiftungshäusern werden zum größten Teil abgeschlossen. Seit 1991 hat die Stiftung knapp 27 Millionen DM in die Instandsetzung und Modernisierung der Häuser investiert. Zusätzlich zur traditionellen Adventsfeier und zur Dampferfahrt organisiert die Stiftung für die Koepjohannitinnen eine Lichterfahrt durch das vorweihnachtliche Berlin. Die Lichterfahrt und andere kleinere Ausflüge werden auch in den kommenden Jahren durchgeführt.
 
1999
Für das Gebiet der Friedrich-Wilhelm-Stadt wird angesichts der vielen Häusersanierungen, die deutliche Mieterhöhungen erwarten lassen, eine Milieuschutzsatzung erlassen, um die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung zu erhalten. Seit 1990 hat mehr als die Hälfte der damaligen Bewohner das Wohngebiet verlassen. Die sechs Kirchengemeinden Sophien, Zion, Golgatha, Gnaden, St. Philippus-Apostel und St. Elisabeth fusionieren zur Großgemeinde Sophien.
 
2000
Die Höfe der Häuser Albrechtstr. 15 und 16 werden durch den Bau von kleinen Brunnen verschönert. Die Brunnen stammen von den Bildhauern Jörg Steinert sowie Joachim Karbe.
 
2001
Die Stiftung übergibt ihre historischen Dokumente, darunter Akten aus dem 18. Jahrhundert mit dem Originaltestament des Stifters, als Depositum an das Evangelische Landeskirchliche Archiv, wo sie sachgerecht gelagert werden können. Die den gewandelten Rahmenbedingungen angepasste Stiftungssatzung tritt in Kraft. Das Stiftungsgebiet umfasst nunmehr die Grenzen der neuen Großgemeinde Sophien. Zur Erfüllung des Stiftungszwecks werden auch Zuwendungen an soziale Projekte zugelassen, die dem Stiftungsgedanken entsprechen. Der Vorstand setzt sich zukünftig aus zwei Geistlichen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, davon wenigstens einem Pfarrer der Gemeinde Sophien, und fünf Laien, davon mindestens zwei aus der Sophiengemeinde, zusammensetzen. Die Stiftung beginnt mit der kontinuierlichen Unterstützung von ausgewählten Sozialprojekten im Stiftungsgebiet.
 
2002
Nach einem Besuch eines Vorstandsmitglieds in Indien beim Christ Faith Home for Children in Chennai beschließt der Vorstand, eine Spendenkampagne zur Unterstützung dieser Einrichtung für Kinder ohne Eltern und Frauen in Not durchzuführen und das Heim organisatorisch zu unterstützen.
 
2003
In der Gemeinde Sophien hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder seit der Wende 1989 auf rund 8.100 Menschen mehr als verdoppelt. Dabei haben sich annähernd 90 Prozent der Gemeindemitglieder ausgetauscht, das Durchschnittsalter ist auf 37,59 Jahre gesunken. Auf dem ersten Stiftungstag vor dem Roten Rathaus, der unter dem Motto "Berlin - Für eine engagierte Stadt" steht, präsentiert die Stiftung mit einem Informationsstand ihre Arbeit.
 
2005
Die Stiftung richtet einen Besuchsdienst für ältere Menschen ein. Der Besuchsdienst stößt bei Seniorinnen und Senioren und Ehrenamtlichen auf gute Resonanz. Die Heizungsanlagen der Stiftungshäuser werden modernisiert. Ein Blockheizkraftwerk mit moderner Technik, die u.a. computergestützte Ferndiagnosen erlaubt, wird errichtet.
 
2009
In stiftungseigenen Räumlichkeiten in der Albrechtstraße 15 wird ein Projekt für wohnungslose Frauen eröffnet: der 'Frauentreffpunkt Sophie'.
 
2010
In Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Stadtmitte unterhält die Stiftung das Projekt 'Känguru - hilft und begleitet', welches Familien mit Babys und Kleinstkindern in Krisensituationen unterstützt.